Dienstag, 19. Juni 2012

Letzte Reise in Cina


Zwei Jahre in China gehen nun zu Ende und ich bereite mich schon auf meine Heimreise vor: knapp 60 Kilogramm Gepäck, schmutzige Wäsche, jede Menge Bücher und ein paar Abschiedsgeschenke. Mein Fahrrad, die Heizung (für die kalten Wintertage) und meine Tafel, auf der ich Chinesische gelernt habe, sind schon samt und sonders verschenkt. Es bleibt mir an dieser Stelle auch nur noch die Anmerkung, dass ich die Chinesisch-Prüfung am Ende tatsächlich bestanden habe und mir in den kommenden Tagen die entsprechende Urkunde ausgehändigt wird.
Doch zuletzt wollte ich noch einmal an den westlichsten Punkt Chinas: Nach Kashgar, an den Karakul-See – danach kommen schon Pakistan und Afghanistan. Nach einem achtstündigen Flug bin ich in der Provinz Xinjiang eingetroffen und es war im Grunde genommen schon nicht mehr China, sondern die Steppe Zentralasiens, der Orient, der Islam … Während der Reiseführer behauptet, in Kashgar würden etwa 25% Chinesen leben, kann ich diese Zahl und das Wort „leben“ aus eigener Anschauung nicht bestätigen: Die Stadt ist fest in der Hand der Uiguren (zumindest im Alltagsgeschehen), Chinesen, die in Kashgar „leben“ sind aus anderen Provinzen abkommandiert und erwarten nichts sehnlicher als ihre Rückkehr in ihre Heimatprovinzen. Es ist eine abenteuerliche und fremde Stadt. Chinesisch ist hier schon eine Fremdsprache.
Es war mir nicht möglich mit einem Taxi Richtung Pakistan zu fahren, da die einheimischen Taxifahrer keine Erlaubnis haben zu einer solchen Fahrt und deswegen musste ich mich zum Schluss noch einmal einer chinesischen Reisegruppe mit Ziel Karakul-See anschließen. Der Karakorum-Highway ist aber wirklich einzigartig und alle Anstrengungen wert. Und es sollen die letzten Bilder aus China sein! Tschüss!!

Dienstag, 8. Mai 2012

Debatten-Finale in Beijing


Letzte Woche war es so weit: Das Finale von Jugend debattiert in China fand in Beijing statt. Die Regionalsieger aus Shanghai, Beijing und Chengdu – insgesamt zehn Schülerinnen und zwei Schüler – trafen sich zu einem dreitägigen Debatten-Training in der Hauptstadt. Anschließend wurden in zwei spannenden Qualifikationsrunden die besten vier Debattanden (in deutscher Sprache) in China ausgewählt.
Das Finale fand am Samstag in der Beijinger Fremdsprachenschule statt. Das Foto zeigt die vier Finalisten auf der Bühne: Peter, Clara, Stefanie und Steffi. Es wurde die Frage debattiert: Sollen chinesische Kinder im Kindergarten eine Fremdsprache lernen?
Die Pro- und Kontraargumente wurden heftig und auf sprachlich hohem Niveau ausgetauscht. Am Ende reichte es für meine Schule – also für Peter – nur zu Platz 3. Das war ein bisschen schade, denn nur die beiden Gewinner bekommen eine Reise nach Deutschland. Gerne hätte ich Peter in Deutschland begrüßt.
Es war eine ereignisreiche Woche in Beijing und ich hoffe, dass der Wettbewerb im nächsten Jahr weitergeht. Für mich aber war dieser Wettbewerb fast schon so etwas wie ein Abschluss von meiner Programmlehrertätigkeit in China, denn im nächsten Monat geht es wieder nach Hause – nach Deutschland.

Freitag, 27. April 2012

Unterwegs auf dem Jangtse


Der längste Fluss in China (und immerhin der drittlängste Fluss der Welt) ist der Jangtse, der aber in China ganz verschiedene Namen hat und im allgemeinen nur Chang Jiang (also Langer Fluss) genannt wird.
Meine kleine Schiffsreise führte mich von der Megacity Chongqing in die Kleinstadt Yichang. Der Begriff „Kleinstadt“ bedeutet dabei, dass diese Stadt nur eine Million Einwohner hat. 40 Kilometer westlich von Yichang befindet sich der bekannte Drei-Schluchten-Staudamm, über dessen Bau auch in Deutschland viel berichtet worden ist. Das gigantische Bauprojekt ist auch noch immer nicht ganz abgeschlossen, denn zur Zeit arbeiten deutsch-chinesische Firmen noch an einem riesigen Fahrstuhl für Schiffe. Dabei gibt es, wie die Chinesen berichten, noch allerlei technische Probleme zu bewältigen.
Unser Schiff musste die etwa 100 Höhenmeter in einer fünfstufigen Schleusenanlage überwinden, was etwa vier Stunden dauerte und in der Nacht erfolgte (siehe Foto). 
 

Chinesische Touristenführer berichten heutzutage ausgiebig über die unvorstellbaren Umsiedlungsaktionen (von denen 1,5 Millionen Menschen in 13 Städten und tausenden von Dörfern betroffen waren). Dabei wird auch ganz offen über die Korruption und die Unzulänglichkeiten dieser Aktionen gesprochen. Das Projekt ist sehr umstritten.
Wenngleich der Wasserspiegel durch den Staudamm um über 100 Meter gehoben worden ist, ist eine Durchfahrt durch die drei Schluchten noch immer ein Erlebnis. Außerdem gibt es an beiden Seiten des Jangtse viele kulturhistorisch bedeutende Stätten, die sehr interessant sind. Ich habe zum Beispiel die Geisterstadt Fengdu und die Stadt des weißen Kaisers (siehe Foto) besucht, in der auch die bedeutendsten Dichter Chinas (Li Bai und Du Fu) gelebt haben. 

Donnerstag, 26. April 2012

Die Prüfung


Mein Aufenthalt in China neigt sich so langsam dem Ende zu und ich wollte nach fast zweijähriger Beschäftigung mit der chinesischen Sprache einmal herausfinden, inwieweit ich sie beherrsche (oder sie mich). Deshalb habe ich mich zu einer offiziellen Chinesisch-Prüfung (Stufe 3) angemeldet und dafür ziemlich fleißig „gebüffelt“. Das Foto zeigt ein typisches Übungsbuch mit einer Höraufgabe. Wie man sieht, mache ich noch ziemlich viele Fehler!
Die Stufe 3 entspricht etwa dem Mittelstufenniveau und ich musste in der 90minütigen Prüfung 40 Aufgaben zum Hörverstehen, 30 Aufgaben zum Leseverstehen und 10 Aufgaben zum Schreiben bewältigen. Die Prüfung fand Mitte April in der Fudan-Universität statt und ich war ziemlich aufgeregt. Ich habe zum Teil gar nicht verstanden, welche Anweisungen der Instrukteur gegeben hat, aber ich habe einfach so getan als ob und alles das gemacht, was die vielen Prüflinge (vornehmlich aus Afrika) um mich herum auch gemacht haben.
Die Lese- und Schreibaufgaben waren für mich ziemlich schwer und ich weiß noch nicht, ob ich die Prüfung bestanden habe. Die Ergebnisse werden Ende Mai bekannt gegeben. Schauen wir mal!

Mittwoch, 11. April 2012

Kirschblütenfest in Japan


Nachdem ich in den letzten Wochen alle möglichen Nachrichten und Informationen zur „Kirschblütenfront“ und ihrer Entwicklung in Japan gesammelt und studiert hatte, bin ich nun letztes Wochenende auf gut Glück nach Tokyo geflogen, um das Kirschblütenereignis mit eigenen Augen zu sehen. Und tatsächlich: Ich hatte Glück und habe den richtigen Zeitpunkt für Tokyo erwischt. Die Blüten zeigten sich im Ueno-Park, im Sumida-Park sowie im Shinjuku-Park in voller Pracht. Ein paar Tage zuvor hatte es noch Unwettermeldungen aus Japan (im chinesischen Fernsehen) gegeben und nun dürften die Blüten schon fallen. Es war nur ein kurzer Moment, den ich aber richtig abpassen konnte, nachdem ich es schon im letzten Jahr vergeblich (wegen Fukushima) versucht hatte.
Viele tausend Menschen strömen in die Parks der japanischen Hauptstadt und bestaunen die Kirschblüten, im Ueno-Park wird auch in der Nacht (mit Lampions) feucht-fröhlich gefeiert. Die Japaner breiten überall Decken und blaue Plastik-Planen aus und verbringen den Tag und zum Teil auch die Nacht unter den Bäumen.

Ein Abstecher führte mich auch noch zum Fuji-San. Dort war es allerdings noch zu früh und zu kalt für die Kirschblüte, dennoch zeigte sich der Berg am Vormittag im strahlenden Sonnenlicht, später zogen ein paar Wolken auf.

Das geschichtliche und politische Verhältnis zwischen China und Japan ist ja nicht unproblematisch und für einige (ältere) Chinesen ist Japan sicherlich immer noch ein „rotes Tuch“. Dennoch ist es heute ganz leicht und einfach, von Shanghai aus nach Japan zu fliegen. Ein Flug nach Tokyo dauert kaum länger als 2 ½ Stunden und es lohnt sich.

Donnerstag, 15. März 2012

Stippvisite in Taiwan


Die letzten Wochen war es ungewöhnlich kalt und regnerisch in Shanghai. Alle Chinesen, die ich kenne, klagen bereits über dieses Wetter. Ich dachte, diesen Verhältnissen einmal für ein paar Tage zu entfliehen und bin ins benachbarte Taiwan geflogen. Die Insel liegt nur knapp zwei Flugstunden von Shanghai entfernt und kann von Deutschen ohne Visum besucht werden. Wenngleich es dort schon bedeutend wärmer und angenehmer war – tatsächlich liefen einige Touristen schon mit kurzen Hosen umher, was freilich übertrieben war – bin ich dem Regen doch nicht wirklich entgangen.
Die quittegelben Taxis in der Hauptstadt Taipei sind moderner und wesentlich komfortabler als die meisten chinesischen Taxis. Die Fahrweise ist auch zivilisierter. Dafür sind die Preise natürlich etwas höher. Die Stadt selbst wirkte auf mich weniger modern und unordentlicher als Shanghai. Dennoch ist sie landschaftlich sehr schön gelegen. Die U-Bahn ist gut ausgebaut und mit einer Tageskarte kommt man gut und günstig voran.


Ich habe die hauptsächlichen Touristenattraktionen besucht, als da wären: das Nationalmuseum (in dem viele Gegenstände aus der Verbotenen Stadt gezeigt werden), der Longshan-Tempel und das berühmte Hochhaus 101, das mit seinen 508 Metern bis 2004 als das höchste Gebäude der Welt galt.
Nun bin ich wieder zurück in Shanghai und die Sonne scheint, alle hoffen auf den Frühling. Warten wir mal ab.

Donnerstag, 8. März 2012

Jugend debattiert in China


„Jugend debattiert in China“ so heißt ein Debattenwettbewerb (in deutscher Sprache), der seit diesem Jahr in ganz China stattfindet und der nach dem Modell von „Jugend debattiert“ (aus Deutschland) veranstaltet wird. Die Regionalentscheide fanden in Chengdu, Taiyuan und Shanghai statt.
Der Regionalentscheid Shanghai fand letzten Freitag an meiner Schule statt. Dabei debattierten acht Schüler aus den Fremdsprachenschulen von Shanghai und Nanjing miteinander und kämpften um den Einzug in das Finale in Beijing. Es wurden folgende Themen kontrovers debattiert:
  1. Sollen autofreie Städte in China geschaffen werden?
  2.  Soll jeder Schüler einer Fremdsprachenschule ein Auslandssemester absolvieren?
Der Meinungsstreit wurde auf sprachlich und inhaltlich recht hohem Niveau ausgefochten und es herrschte eine spannende aber auch vergnügliche Wettbewerbsatmosphäre. Jeder Schüler musste zwei Mal debattierten: einmal auf der Pro- und einmal auf der Kontraseite. Solche Treffen von verschiedenen Fremdsprachenschulen in China dienen natürlich immer auch dem Austausch zwischen Kollegen und den Schülern.
Das zweite Foto zeigt die vier Gewinner des Regionalfinales von Shanghai (Stefanie, Alwine, Peter, dazwischen die Schulleiterin Frau Zhang und Thomas v. l. n. r.). Peter und Thomas kommen aus meiner Schule und haben den ersten bzw. dritten Platz belegt. Beide werden Anfang Mai nach Beijing fahren und dort in der Endrunde des Debattenwettbewerbes auftreten. Schauen wir mal, wie es dann ausgeht!
 

Donnerstag, 2. Februar 2012

Eine winterliche Reise nach Shenyang


Nach den anstrengenden Prüfungstagen und noch vor Weihnachten (was in China allerdings keine Bedeutung hat) bin ich mal wieder in den Norden Chinas gereist, um die Hauptstadt der Liaoning-Provinz – Shenyang – zu besuchen. Neben Beijing und Chengde ist Shenyang die einzige Stadt in ganz China, die noch originale Bauten aus der Mingzeit (1368 – 1644) aufzuweisen hat, da andernorts Vieles während der Kulturrevolution zerstört worden ist oder im Laufe der Zeit einfach verfallen ist.
Bei etwa minus 10 Grad Celsius aber wenig Schnee war es ziemlich frisch und ich musste mehrere Schichten Kleidung tragen.
Bei meiner Ankunft beklagte sich der Taxi-Fahrer, der mich auf Umwegen zum Hotel brachte und auf diese Weise noch umgerechnet etwa zwei bis drei Euro mehr verdiente, wie schmutzig und unbedeutend seine Stadt doch sei. Ich selbst kann das aber nicht bestätigen. Im Stadtzentrum wird zwar viel gebaut, aber die großen Einkaufsstraßen machen einen durchaus ansehnlichen Eindruck. Shenyang ist sicherlich keine Touristenhochburg, was allerdings auch zu recht günstigen Hotelpreisen führt. Sodass ich selbst für mein Vier-Sterne-Hotel im Stadtzentrum nicht mehr als 30 Euro/Nacht zahlen musste und ein schön geheiztes Zimmer hatte.
Heizungen sind ja in China keine Selbstverständlichkeit: In öffentlichen Gebäuden und Wohnungen südlich des großen Yangtse-Flusses gibt es üblicherweise keine Heizungen, was zum Beispiel auch in Shanghai zu Klassenräumen mit Temperaturen um die 5 Grad führt. Da steht bzw. sitzt man dann mit vielen Pullovern und Jacken und friert eigentlich immer.
Shenyang war der ursprüngliche Sitz der mandschurischen Herrscher, die 1644 in Beijing einfielen und die Qing-Dynastie begründeten. Heute kann man noch ihren „Palast“ bewundern, der im Grunde genommen ein kleines Modell der Verbotenen Stadt in Beijing darstellt.

Außerdem gibt es im Nordpark auch einige große Grabanlagen dieser Herrscher zu besichtigen. In diesem Park trifft man viele Einheimische, die hier Schlittschuh laufen oder einen winterlichen Spaziergang machen.
 
Nun geht es wieder zurück in das kühle Shanghai ohne Heizung.

Prüfungen


Anfang Dezember fanden die Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom II an unserer Schule statt. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass die sieben Schüler, die daran teilnahmen, sich über ein halbes Jahr lang intensiv auf diese Prüfung vorbereitet haben. Wer diese Prüfung auf dem höchsten Niveau besteht, erfüllt die sprachlichen Voraussetzungen, um in Deutschland zu studieren. Da einige Schüler tatsächlich beabsichtigen, in Deutschland zu studieren, war diese Prüfung von nicht geringer Bedeutung. Zwei Schüler bzw. Schülerinnen (Michael und Viktoria) wollen gerne Maschinenbau in Deutschland studieren und eine Schülerin Zahnmedizin (Franziska).
Manchmal habe ich noch bis 23 Uhr mit den Schülern geübt und die Prüfung vorbereitet, da die Schüler natürlich auch noch den ganz normalen Unterricht (von 8 Uhr morgens bis 21 Uhr abends, inklusive Selbststudium) hatten und die Sprachdiplom-Prüfung praktisch zusätzlich war. Alle Schüler waren unglaublich ehrgeizig und fleißig; und absolvierten ein fast unvorstellbares Arbeitspensum.
Die Prüfung fand dann schließlich an zwei Tagen statt: Am ersten Tag wurden in einem fast 6stündigen Test Lesen, Hörverständnis und Schreiben abgeprüft. Am zweiten Tag fand die mündliche Prüfung statt. Dabei musste jeder Schüler spontan über ein vorher unbekanntes Thema sprechen, eine Präsentation halten (die er natürlich vorbereitet hatte) und in einem anschließenden Kolloquium zur Präsentation Rede und Antwort stehen. Diese Präsentationen kann man durchaus mit den Präsentationen im deutschen Abitur vergleichen. Alles in allem wirklich nicht so einfach.
Bei den Präsentationen gab es zum Beispiel folgende Themen: Deutschland nach dem Atomausstieg (Franziska), Anhebung des Renteneintrittsalters in Deutschland und China (Viktoria), Wanderarbeiter (Michael) und andere Themen, die immer einen Deutschlandbezug haben mussten.

Die schriftlichen Ergebnisse liegen noch nicht vor, da alle Test-Papiere nach Deutschland geschickt und dort korrigiert werden müssen. Die mündlichen Prüfungen waren aber erfolgreich. Wir alle waren ziemlich erleichtert, als alles vorbei war.

Donnerstag, 10. November 2011

Menschenmassen am frühen Morgen


 Auf meinem Ausflug in die Hauptstadt des Reiches der Mitte wollte ich an diesem Wochenende einmal beim frühmorgendlichen Hissen der Nationalflagge auf dem Tiananmen-Platz dabei sein. Dieses Ritual findet allmorgendlich bei Sonnenaufgang statt: Zuerst ertönt die Nationalhymne und dann wird die Flagge hinaufgezogen.
An besonderen Feiertag – wie etwa dem 1. Oktober – übernachten schon zahlreiche Schaulustige am Abend zuvor auf dem Platz, um das Ereignis dann aus nächster Nähe bewundern zu können.
Dieses Wochenende war aber kein besonderer Tag, und ich dachte, es würde durchaus reichen, wenn ich mich eine Stunde vor Sonnenaufgang auf den besagten Platz begebe. Als ich dort aber gegen 5 Uhr 30 eintraf (Der Sonnenaufgang war für 6.34Uhr angekündigt.), bot sich mir ein „Bild des Schreckens“: Menschenmassen am frühen Morgen.

Von allen Seiten strömten ungezählte Busladungen an Menschen – vornehmlich in Reisegruppen mit roten, weißen und gelben Schirmmützen organisiert – auf den Platz und Richtung Fahne. Straßenhändler verkauften kleine Fähnchen und es herrschte ein reges Treiben wie auf einem Jahrmarkt. Es war ein unvorstellbares Spektakel wie die Massen Richtung Fahne drängten, obwohl ja noch eine Stunde Zeit war bis zum eigentlichen Ereignis. Ich kämpfte mich nach vorne, aber irgendwann ging es nicht mehr weiter, so musste ich noch eine Stunde in der fünften oder sechsten Reihe ausharren, während von hinten die Massen weiter herandrängten, sodass ich am Ende zwischen zwei Reihen Chinesen komplett eingekeilt war. Das beste Foto, dass unter diesen Umständen noch möglich war, wird hier gezeigt.
Das Hissen der Flagge und der Abschließende Abmarsch der Schaulustigen hatte dann etwas von einer „Erlösung“.
Kurze Zeit später musste ich aber mit Erstaunen feststellen, dass ein großer Teil der Massen schon wieder rannte … diesmal Richtung Mao-Mausoleum (am gegenüberliegenden Ende des Platzes). Dort bildeten sich dann auch schon wieder kilometerlange Schlangen, obwohl der Einlass erst um 8 Uhr war. Das war dann doch zu viel und ich habe den Platz fluchtartig verlassen.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Bei Konfuzius zu Hause


Die sogenannte Goldene Woche war mal wieder angesagt: Das ist die Oktoberwoche nach dem chinesischen Nationalfeiertag (1. Oktober) und die Hauptreisezeit für die Chinesen. In diesem Jahr sollen es nach amtlichen Angaben über 300 Millionen Chinesen gewesen sein, die als Touristen im eigenen Land umhergereist sind. Ich kann zwar die exakte Zahl nicht bestätigen, aber es war ein unglaubliches Menschenmeer, das mir auf meiner Reise nach und in Qufu (der Heimatstadt des Philosophen Konfuzius) begegnete.
Die Zugtickets waren vollkommen ausverkauft, sodass ich entgegen meinen eigentlichen Plänen nur zwei Tage in Qufu bleiben konnte, denn für die geplante Rückfahrt am Donnerstag, Freitag oder zur Not auch am Samstag gab es einfach keine Fahrkarten mehr. Einfach nichts zu machen!
Tausende von einheimischen Touristen waren nach Qufu geströmt, um dort einen Blick auf den Konfuzius-Tempel, die gleichnamige Residenz und das Konfuzius-Grab zu werfen. Ich bin auch an diesen Orten gewesen, aber die Menschenmassen machten ein längeres Verweilen kaum möglich. Das Foto zeigt den Ansturm auf das Grab des Philosophen; das war schon am Abend – etwa zehn Minuten vor Sonnenuntergang.

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie groß der Ansturm am Tag gewesen sein muss. Die Chinesen sind dann auch – entgegen den vielleicht gängigen Vorstellungen – wenig zurückhaltend: Sie schieben, drängeln und schubsen! Die einzelnen Reiseführer mit ihren Megaphonen (eingestellt auf die höchste Lautstärke) überbieten sich in ihrem Lärm und Geschrei. Selbst wenn eine Reisegruppe nur aus vier oder fünf Touristen besteht, setzt der Reiseführer ein Megaphon ein, um sich rein lautstärkemäßig gegen die anderen Gruppen durchsetzen zu können. Am Ende ist es ein einziges Geschrei!
Es machte keinen Sinn, länger in Qufu zu bleiben, obwohl es dort sehr schön und interessant war; deshalb bin ich in das etwa zwanzig Kilometer südlich gelegene Zoucheng ausgewichen – die Heimatstadt von Menzius. Dort war es zwar ruhiger, doch als Ausländer sorgte ich dort für mehr Aufsehen: Alte Menschen und Kinder blickten mich an und riefen „Waiguoren! Waiguoren!“ (Ein Ausländer! Ein Ausländer!). Andere haben mich auch angesprochen und nach meiner Herkunft gefragt. In der abgelegenen Provinz ist ein Ausländer immer noch eine „außerordentliche“ und vermutlich auch seltenere Erscheinung und kann einiges Aufsehen erregen. Trotzdem hatte ich in den Morgenstunden den Menziustempel ganz für mich allein, wie das Foto zeigt.

Die Deutscholympiade in Tianjin


Vom 23. bis 25. September war es wieder einmal so weit: Die nationale Deutscholympiade fand statt. Es war diesmal die fünfte und sie wurde in Tianjin (Bezirk Beijing) veranstaltet.
Fast einhundert Schülerinnen und Schüler aus etwa fünfzig Schulen in ganz China kamen an diesem Wochenende in die Hafenstadt Tianjin und zeigten ihr Können in der deutschen Sprache. Auf dem höchsten Niveau, dem sogenannten C1-Niveau, gab es wieder interessante Präsentationen zu brisanten Themen, z. B.: „Die Ein-Kind-Politik“, „Bürgerschaftliche Erziehung“, „Bildungsungerechtigeit in China“ u. a.
Meine Schule – die Pudong Fremdsprachenschule – war mit zwei Schülerinnen (Melanie und Tina) und einem Schüler (Michael) auf allen drei Stufen vertreten. Im Vorfeld hatten wir uns gründlich vorbereitet und zwei Präsentationen erstellt: Auf dem B1-Niveau referierte Tina über Haustiere und die Frage, ob man Hunde lieber essen oder lieber als Haustier halten sollte, und Michael beschäftigte sich mit der Situation der Wanderarbeiter in China.
Am Ende kamen wir in allen Finals unter die besten fünf, aber für einen Platz auf dem Siegertreppchen hat es in diesem Jahr leider nicht gereicht. Die Konkurrenz aus Hong Kong und aus unserer Nachbarschule, der Shanghai Fremdsprachenschule, war übermächtig.
Die Gewinner der Olympiade bekommen eine Reise nach Deutschland, genauer nach Frankfurt, wo sie im Sommer an der Internationalen Olympiade teilnehmen können.

Zurück in Shanghai – Ein neues Schuljahr

Das neue chinesische Schuljahr ist nun drei Wochen alt und bereits in vollem Gange. In den entscheidenden Abschluss-Klassen – nämlich den Klasse 9 und 12 – wurden bereits schon wieder zahlreiche Prüfungen absolviert und sogar ein ganzer Prüfungstag abgehalten, an dem unter anderem mehrstündige Tests in den Fächern Chinesisch, Mathematik und Englisch geschrieben werden mussten.  
Am Ende der Klasse 9 wird in der Mittelstufen-Prüfung („Zhongkao“) entschieden, ob ein Schüler weiter an der Schule bleiben darf, um in die Oberstufe zu gehen oder ob er in eine andere Schule oder auf den Ausbildungsmarkt wechseln muss. Und am Ende der Klasse 12 wird die „Gaokao“ geschrieben, die man mit unserem Abitur vergleichen kann, die aber in einem ungleich höherem Maße darüber entscheidet, ob und an welcher Universität man studieren darf. Diese Schüler stehen jetzt – zu Beginn des Schuljahres – schon unter einem enormen Stress. Wochenenden oder Freizeit haben sie fast nicht mehr.
Ich selbst musste schon wieder ein Programm-Lehrertreffen sowie die Deutscholympiade in Tianjin vorbereiten und mitgestalten, sodass es auch für mich in diesen ersten Wochen schon wieder viel zu tun gab. Das beigefügte Foto zeigt meinen Schreibtisch in der Schule und lässt die typische Gestaltung chinesischer Lehrerzimmer erahnen.

Das wichtigste Ziel in diesem Schuljahr ist aber die DSD II Prüfung im Dezember (Deutsches Sprachdiplom). An dieser Prüfung – in der die Schüler relativ schwierige Lese- und Hörverstehensaufgaben bekommen sowie einen Aufsatz schreiben und eine Präsentation halten müssen – beteiligen sich die Schüler der Klasse 12. Die Ergebnisse entscheiden auch darüber, ob die Schüler in Deutschland studieren können oder nicht. Da dieses Testformat völlig anders ist als das chinesische, müssen die Schüler intensiv darauf vorbereitet werden. Das Foto zeigt einige Schüler in unserer deutschen Bibliothek. Sie absolvieren gerade einen Test zum Hörverstehen. Das Ergebnis wird leider nicht so gut ausfallen: Wir müssen noch üben!

Mittwoch, 8. Juni 2011

Zu Besuch bei Mao


Meine letzte Reise in diesem Schuljahr führte mich in eine ganz typisch chinesische Touristengegend: in die Provinz Hunan. Ausländischen Touristen begegnet man hier eher selten. Es ist die Provinz, in der Mao Zedong geboren wurde und aufgewachsen ist. Der Geburtsort von Mao – Shaoshan – liegt etwa 90 Kilometer südwestlich von der Provinzhauptstadt Changsha.
Von Changsha aus wollte ich den Zug nehmen, doch dieses Unternehmen scheiterte um sechs Uhr morgens, als man mir in der Bahnhofshalle einfach keine Tickets verkaufen wollte; den Grund habe ich nicht genau verstanden. Es blieb mir dann nichts anderes übrig, als mich einer der zahllosen chinesischen Touristengruppen anzuschließen, die mit riesigen Reisebussen aufs Land gekarrt werden. Dies war freilich auch ganz interessant und eben auch typisch chinesisch. Bei starkem Regen fuhr der voll besetzte Ausflugsbus Richtung Shaoshan und traf dort auch zwei Stunden später ein. Im Bus lernte ich Chinesen aus dem ganzen Land kennen: aus der Inneren Mongolei, aus dem Uigurengebiet usw. Einige zeigten mir auch mit Stolz ihr kleines rotes Parteimitgliedsbuch.
Shaoshan ist der reinste „Wallfahrtsort“: Es findet eine richtige Mao-Verehrung statt und die Touristenströme scheinen endlos. Im Ort selber gibt es viele Mao-Statuen, vor einigen verneigt man sich auch ehrfurchtsvoll in Gedenken an den toten Vorsitzenden. Es gibt unzählige Souvenirstände und dann natürlich das Elternhaus von Mao und ein großes Museum. Eine lange Schlange wartet vor Maos Geburtshaus und wird im Gänsemarsch hindurch geschleust. Jeder lässt sich natürlich vor dem Eingang in das ehemalige Bauernhaus fotografieren.  
Diese Mao-Verehrung ist schon etwas befremdlich, wenn man bedenkt, dass dieser Mann in der westlichen Geschichtsschreibung immer wieder mit Hitler oder Stalin in eine Reihe gestellt wird. Wir haben es hier nochmals mit einem schönen Beispiel für die ganz andere Perspektive auf die Realitäten zu tun, die mir während meines chinesischen Aufenthaltes schon so oft begegnet ist.

Zum Schluss also noch ein Mao-Zitat: 
Eine Revolution ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen, kein Deckchensticken.

Sonntag, 15. Mai 2011

Nach Dunhuang


Nach etwa fünf Stunden Flug quer durchs Reich der Mitte lande ich am Rande der Wüste in Dunhuang.
Dunhuang ist eine schöne, interessante und alte Oasenstadt im Nordosten Chinas. Marco Polo muss hier auch schon vorbeigekommen sein, als er der Seidenstraße entlang reiste. In den Ausläufern der Taklamakan-Wüste kann man nicht nur zwischen meterhohen Sanddünen umherstreifen, mit Kamelen reiten und im Sand rodeln, sondern auch mit dem Mondsichelsee eine einzigartige Landschaft bewundern. Bei über 30 Grad Celsius natürlich alles sehr schweißtreibende Angelegenheiten.
Dunhuang ist für den historisch und kulturell interessierten Besucher eine wahre Fundgrube: Zunächst einmal sind da die weltberühmten Mogao-Grotten mit ihren buddhistischen Statuen und Malereien und dann natürlich der multikulturelle Einfluss im gesamten Stadtbild.

An den Mogao-Grotten bin ich sehr früh am Morgen gewesen, sodass ich als der einzige Ausländer eine Einzelführung bekam.
In der Stadt wird der islamische Einfluss durch viele muslimische Garküchen und die Moschee sehr deutlich. Arabische und chinesische Schriftzeichen wechseln sich ab und enthüllen mir nicht ihr Geheimnis.
Etwa 20km vom Stadtzentrum entfernt befindet sich eine Rekonstruktion der alten Stadt Dunhuang, die heute als Kulissenstadt für diverse Kino- und Fernsehproduktionen benutzt wird. Eine große Scheinwelt – gleichsam wie eine Fata Morgana zwischen den Sanddünen gelegen. Hier beginnt der Orient von Osten aus gesehen.

An den Außengrenzen der chinesischen Welt

Vor mehr als 2000 Jahren ließ der Han-Kaiser Wu am äußersten Nordostende seines damaligen Reiches Mauern, Wehrtürme und Festungen zum Schutz vor Feinden errichten. Die Überreste und Ruinen dieser Anlagen etwa 100km von Dunhuang entfernt sind heute noch zu besichtigen. Der Weg dorthin führt über staubige Straßen und durch endlose Kieswüsten.

Es ist eine imposante menschenleere Landschaft, die einem wie das Ende der Welt erscheint. Irgendwann tauchen dann zwischen ausgetrockneten Salzseen und einigen wilden Grasbüscheln verfallene Lehmmauern und Reste einstiger Festungen auf.
 Eine einsame Hinweistafel kündet von der einstigen Bedeutung diese Ortes. Bei einem frischen Wind aus der Steppe oder sonst woher und bei weitem blauen Himmel träumt man sich in die vergangenen Zeiten zurück. Es bleibt aber ganz still und keine Menschenseele erscheint an diesem fernen Ort. (Wenn man an der Ostküste lebt in Metropolen wie Peking oder Shanghai, dann hält man es nach einiger Zeit nicht mehr für möglich, dass es in China Orte ohne Menschen gibt, weil einfach überall Menschen sind. Doch China ist groß und es gibt diese menschenleeren Gegenden noch.)
Mein Taxifahrer wartete mit seinem Wagen an einem verschlossenen Haus und rauchte gemütlich eine Zigarette, während ich die alten Mauern entlang streifte. Die gesamte Taxifahrt dauerte etwa fünf Stunden und war sehr unterhaltsam, da Yang Wu – so der Name des Taxifahrers – einfach und langsam sprach und mir auch immer wieder unbekannte Wörter und Wendungen aufschrieb und ausführlich erklärte. Auf diese Weise erhielt ich einen unvergesslichen Eindruck von der nördlichen Landschaft der Provinz Gansu.
Einige werden nun vielleicht noch erstaunt fragen: Mein Gott, fünf Stunden Taxifahrt – das kostet doch ein Vermögen? Für chinesische Verhältnisse mag das zutreffen, aber für mich waren es umgerechnet nur 30 Euro. Diesen Preis hatte ich vorher mit Yang Wu vereinbart. Was hätte ich wohl in Deutschland dafür bezahlt?

Sonntag, 1. Mai 2011

Das kommt mir spanisch vor


Wenn wir etwas nicht verstehen und sehr seltsam finden, benutzen wir im Deutschen die Redewendung: Das kommt mir aber spanisch vor. Der Engländer sagt: That’s Greek to me. ( = Das kommt mir Griechisch vor.) Tatsächlich verweisen viele andere Sprachen aber auf das Chinesische, wenn sie Befremden oder Unverständnis ausdrücken wollen. Sie sagen dann: Das kommt mir chinesisch vor.
Und das ist angesichts der Seltsamkeiten und Fremdartigkeiten, die das Chinesische bietet, durchaus zutreffend. Zunächst sind da diese merkwürdigen Schriftzeichen, von denen man gar nicht weiß, wie man sie aussprechen soll. Oder weißt du etwa, wie man 看起來像天書。ausspricht? Oder weißt du, was es bedeutet?
Chinesisch ist meines Erachtens wirklich eine schwere Sprache. Die Basisgrammatik mag einfach erscheinen, weil sich die Wörter nicht ändern und man keine Konjugationen und Deklinationen und dergleichen mehr lernen muss, aber im Detail kann auch die chinesische Grammatik sehr kompliziert sein. Ich gebe ein einfaches Beispiel: Das Foto zeigt den letzten Tafel-Anschrieb meiner Chinesischlehrerin Frau Bu. Es zeigt drei verschiedene Zahleinheitswörter (ding, zhi, shuang), natürlich gibt es sehr viel mehr. Zahleinheitswörter (kurz: ZEW) braucht man, wenn man Substantive mit Zahlangaben versehen will. So wie man im Deutschen etwa drei Blatt Papier sagt, so braucht man im Chinesischen für alle Nomen ein entsprechendes ZEW. Je nach dem, ob die Dinge flach, spitz, lang usw. usf. sind, benötigt man ein anderes ZEW. Das muss man bei jedem Substantiv gewissermaßen mitlernen, so wie die Chinesen bei uns die Artikel mitlernen müssen. An diesem kleinen Beispiel wird schon deutlich, dass das Chinesische nicht nur sehr viel anders als die europäischen Sprachen, sondern eben auch nicht so einfach ist. Frau Bu ist aber nicht so unzufrieden mit mir.


Ich lerne nun schon etwa ein Jahr Chinesisch, aber es ist und bleibt für mich eine schwere Sprache. Einfache Dinge im Alltag (Einkaufen, nach dem Weg fragen usw.) kann ich zwar ausdrücken, aber ich verstehe oft die entsprechenden Antworten nicht. Dennoch ist das Chinesische sehr interessant und eröffnet den Horizont zu einer anderen Kultur- und Denktradition.

PS.: Was also heißt nun看起來像天書。? Man liest es: Kan qilai xiang tianshu. Und es wird von den Chinesen benutzt, um zu sagen, dass ihnen etwas spanisch vorkommt. Natürlich sagen sie nicht „spanisch“; sie beziehen sich überhaupt auf keine andere existierende Sprache, sondern auf ein „Himmelsbuch“, also auf ein im Grunde genommen völlig unbekanntes Schriftsystem. Wörtlich übersetzt: Liest sich wie das Himmelsbuch!
Naja, die Chinesen halt!

Sonntag, 17. April 2011

Ausflug nach Pingyao


An der chinesischen Ostküste ist nun der Frühling eingezogen und in Shanghai hatten wir letzte Woche schon (an einem Tag) subtropisch heiße Temperaturen von 30 Grad: Also bestes Reisewetter!
Für ein verlängertes Wochenende habe ich mich somit auf den Weg nach Pingyao in die Shanxi Provinz gemacht.
Pingyao ist eine kleine „altertümliche“ Stadt, in deren Zentrum noch der alte Stadtkern einschließlich der prächtigen Stadtmauer vollständig erhalten ist. 
 Außenherum befindet sich eine eher hässliche moderne Industriestadt. 
 An den Rändern der Altstadt sieht man viele heruntergekommene und verfallene Häuser, in denen aber offensichtlich immer noch Menschen wohnen. Das Zentrum aber ist sehr schön erhalten und bietet die Möglichkeit zu einer Art Zeitreise in das Ming- und Qingzeitliche China – also das China von vor 500 und 600 Jahren. Natürlich ist die Altstadt heute auch ein Touristenmagnet, aber in den restaurierten und gepflegten alten Gassen, Wehranlagen, Stadttürmen und Tempelanlagen kommt doch das Flair der Vergangenheit durch.
 Irgendwie musste ich beim Streifzug durch die altertümliche Stadt auch an das antike Pompeij denken. Eine seltsame Koinzidenz, trotz der großen räumlichen und zeitlichen Entfernung. Am Abend werden in der ganzen Stadt rote Laternen angezündet und tauchen die Wege und Gassen entlang der vielen Geschäfte und Restaurants in ein seltsames Licht.
Mit dem Frühzug bin ich dann wieder nach Taiyuan zurück gefahren: Ein Erlebnis der besonderen Art. Die Fahrgäste stellten sich am Bahnsteig schon lange vor der Ankunft des Zuges in langen Schlangen auf. (Sehr diszipliniert!) Dann kam der Zug, die Türen wurden von Innen geöffnet … und es war brechend voll. Irgendwie haben sich alle (auch ich) noch hinein gequetscht und dann dicht gedrängt bis zum nächsten Bahnhof durchgehalten. Doch dort sind dann nicht etwa, wie von mir gehofft, etliche Fahrgäste ausgestiegen. Nein, ganz im Gegenteil: Es kamen noch einmal 30 bis 40 Leute pro Wagon dazu. Die Gänge quollen über und über und zwischen den Sitzplätzen drängten die Einheimischen in jeden Winkel hinein. Sogar bis in die Toiletten hinein (die fürchterlich stanken) wurden die Leute geschoben und gedrückt (und ich mittendrin). So sind wir noch etwa eine Stunde (nahezu atemlos) bis nach Taiyuan gefahren. Ich glaube, dass so etwas beim „Unternehmen Zukunft“ (Deutsche Bahn) allein schon aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt gewesen wäre. Man sagte mir aber, dass das jeden Samstag so sei. Viel Spaß!

Sonntag, 13. März 2011

Viel Glück fürs Abi!


Nun ist es wieder so weit: Abitur-Prüfungen in Deutschland! Leider bin ich in diesem Jahr nicht dabei und kann meine ehemaligen Kurse – den Deutschleistungskurs sowie den Ethikkurs – nicht unterstützen. Ich drücke aber ganz fest die Daumen und wünsche zusammen mit meinen chinesischen Schülern Gutes Gelingen!
In China wird die Gaokao (mit unserem Abitur vergleichbar) erst im Juni geschrieben. Dann herrscht im ganzen Land eine Art „Ausnahmezustand“ (wie man mir berichtete), denn es werden Straßen gesperrt, Bauarbeiten eingestellt und überall in der Nähe von Schulen auf größte Ruhe geachtet. Die Gaokao entscheidet in der chinesischen Gesellschaft noch viel stärker als das Abitur in Deutschland über den zukünftigen beruflichen Werdegang, denn die Ergebnisse der Gaokao legen fest, ob und auf welche Universität man darf. Diesbezüglich gibt es ein unvergleichliches Ranking, das noch stärker ausgeprägt scheint als etwa in Großbritannien oder den USA. Als Spitzenuniversitäten gelten die „Beida“ in Beijing oder die Fudan-Universität in Shanghai. Da immer mehr Schüler auf die Universitäten drängen, herrscht ein großer Konkurrenzkampf, der für die Schüler der Oberstufe großen Druck und Stress bedeutet.

Sonntag, 27. Februar 2011

Mit dem Drahtesel unterwegs


In Shanghai zeigen sich nun schon die ersten Frühlingstage bei angenehmen 18 Grad Celsius und blauem Himmel: Was liegt da näher, als sich ein Fahrrad zu kaufen und los zu düsen? Gesagt – getan: Dieses Wochenende bin ich zum Fahrradhändler um die Ecke gegangen und habe für etwa 40 Euro ein neues Fahrrad gekauft. Der gute Mann hat dann noch ein Schloss, eine Klingel und einen praktischen Korb anmontiert und dann konnte es losgehen. Natürlich hat das Gefährt keine Gangschaltung oder sonstigen Komfort, aber es bewegt sich.
Da es von meiner Wohnung bis zur Schule einen wirklich guten Radweg gibt, auf dem ich bei gemütlicher Fahrt etwa 20 Minuten bis zu meinem Arbeitsplatz benötige, wird man mich nun am Morgen des Öfteren auf dem Drahtesel bewundern können.
Mit dieser Anschaffung verhalte ich mich aber ganz gegen den chinesischen Trend, da die motorlosen Zweiräder immer mehr aus dem Shanghaier Stadtbild verschwinden: Kein Wunder in einer Gesellschaft, die permanent auf der Überholspur sein möchte. 
 
Es bleibt allerdings abzuwarten, wie lange ich mich an meinem „Metall-Esel“ erfreuen kann, da mit Diebstählen gerechnet werden muss und Langfinger – (also nicht etwa Langnasen) – entgegen einer weitverbreiteten Meinung auch im Reich der Mitte nicht mehr mit der Todesstrafe rechnen müssen: In diesen Tagen tritt eine umfassende Reform des chinesischen Strafgesetzes in Kraft, durch die neue Straftatbestände geschaffen (z. B. Trunkenheit am Steuer) und Strafdelikte, welche mit dem Tod bestraft werden, weiter reduziert worden sind.
Hände weg von meinem Rad!

Mittwoch, 23. Februar 2011

Kambodscha


Hier vor allem der riesige und beeindruckende Komplex von Angkor am Tonle Sab-See. Die gigantische Anlage von Angkor Wat und die vielen anderen Ahnentempel und Regierungspaläste aus einer längst vergangenen und uns nur noch in diesen Steinzeugnissen erhaltenen Zeit. Hier und da eine Inschrift an einem Türrahmen – sonst nichts.

Dabei dürfte Angkor – nach allem was wir wissen – im 12. Jahrhundert einmal die größte und vielleicht auch herrlichste Stadt der Welt gewesen sein. Heute sind vom einstigen Khmer-Reich nur noch diese steinernen Zeugnisse vom Dschungel überwachsen übrig geblieben und locken – wenn nicht gerade wie bei meinem Besuch zwischen Kambodscha und Thailand wieder Grenzscharmützel stattfinden – viele Touristen, namentlich auch viele Chinesen, und wilde Affen an. Diese wiederum werden durch die Bananen der Touristen angelockt. So folgt eins dem andern.

Die Gesamtanlage ist so groß, dass man sie unmöglich an nur einem Tag besichtigen kann, deswegen werden auch gleich Drei-, Vier- und Sechstagestickets verkauft.
Nun sind die Ferien vorbei (wie immer viel zu kurz) und der chinesische Schulalltag hat wieder begonnen.