Donnerstag, 8. März 2012

Jugend debattiert in China


Jugend debattiert in China“ so heißt ein Debattenwettbewerb (in deutscher Sprache), der seit diesem Jahr in ganz China stattfindet und der nach dem Modell von „Jugend debattiert“ (aus Deutschland) veranstaltet wird. Die Regionalentscheide fanden in Chengdu, Taiyuan und Shanghai statt.
Der Regionalentscheid Shanghai fand letzten Freitag an meiner Schule statt. Dabei debattierten acht Schüler aus den Fremdsprachenschulen von Shanghai und Nanjing miteinander und kämpften um den Einzug in das Finale in Beijing. Es wurden folgende Themen kontrovers debattiert:
  1. Sollen autofreie Städte in China geschaffen werden?
  2.  Soll jeder Schüler einer Fremdsprachenschule ein Auslandssemester absolvieren?
Der Meinungsstreit wurde auf sprachlich und inhaltlich recht hohem Niveau ausgefochten und es herrschte eine spannende aber auch vergnügliche Wettbewerbsatmosphäre. Jeder Schüler musste zwei Mal debattierten: einmal auf der Pro- und einmal auf der Kontraseite. Solche Treffen von verschiedenen Fremdsprachenschulen in China dienen natürlich immer auch dem Austausch zwischen Kollegen und den Schülern.
Das zweite Foto zeigt die vier Gewinner des Regionalfinales von Shanghai (Stefanie, Alwine, Peter, dazwischen die Schulleiterin Frau Zhang und Thomas v. l. n. r.). Peter und Thomas kommen aus meiner Schule und haben den ersten bzw. dritten Platz belegt. Beide werden Anfang Mai nach Beijing fahren und dort in der Endrunde des Debattenwettbewerbes auftreten. Schauen wir mal, wie es dann ausgeht!
 

Donnerstag, 2. Februar 2012

Eine winterliche Reise nach Shenyang


Nach den anstrengenden Prüfungstagen und noch vor Weihnachten (was in China allerdings keine Bedeutung hat) bin ich mal wieder in den Norden Chinas gereist, um die Hauptstadt der Liaoning-Provinz – Shenyang – zu besuchen. Neben Beijing und Chengde ist Shenyang die einzige Stadt in ganz China, die noch originale Bauten aus der Mingzeit (1368 – 1644) aufzuweisen hat, da andernorts Vieles während der Kulturrevolution zerstört worden ist oder im Laufe der Zeit einfach verfallen ist.
Bei etwa minus 10 Grad Celsius aber wenig Schnee war es ziemlich frisch und ich musste mehrere Schichten Kleidung tragen.
Bei meiner Ankunft beklagte sich der Taxi-Fahrer, der mich auf Umwegen zum Hotel brachte und auf diese Weise noch umgerechnet etwa zwei bis drei Euro mehr verdiente, wie schmutzig und unbedeutend seine Stadt doch sei. Ich selbst kann das aber nicht bestätigen. Im Stadtzentrum wird zwar viel gebaut, aber die großen Einkaufsstraßen machen einen durchaus ansehnlichen Eindruck. Shenyang ist sicherlich keine Touristenhochburg, was allerdings auch zu recht günstigen Hotelpreisen führt. Sodass ich selbst für mein Vier-Sterne-Hotel im Stadtzentrum nicht mehr als 30 Euro/Nacht zahlen musste und ein schön geheiztes Zimmer hatte.
Heizungen sind ja in China keine Selbstverständlichkeit: In öffentlichen Gebäuden und Wohnungen südlich des großen Yangtse-Flusses gibt es üblicherweise keine Heizungen, was zum Beispiel auch in Shanghai zu Klassenräumen mit Temperaturen um die 5 Grad führt. Da steht bzw. sitzt man dann mit vielen Pullovern und Jacken und friert eigentlich immer.
Shenyang war der ursprüngliche Sitz der mandschurischen Herrscher, die 1644 in Beijing einfielen und die Qing-Dynastie begründeten. Heute kann man noch ihren „Palast“ bewundern, der im Grunde genommen ein kleines Modell der Verbotenen Stadt in Beijing darstellt.

Außerdem gibt es im Nordpark auch einige große Grabanlagen dieser Herrscher zu besichtigen. In diesem Park trifft man viele Einheimische, die hier Schlittschuh laufen oder einen winterlichen Spaziergang machen.
 
Nun geht es wieder zurück in das kühle Shanghai ohne Heizung.

Prüfungen


Anfang Dezember fanden die Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom II an unserer Schule statt. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass die sieben Schüler, die daran teilnahmen, sich über ein halbes Jahr lang intensiv auf diese Prüfung vorbereitet haben. Wer diese Prüfung auf dem höchsten Niveau besteht, erfüllt die sprachlichen Voraussetzungen, um in Deutschland zu studieren. Da einige Schüler tatsächlich beabsichtigen, in Deutschland zu studieren, war diese Prüfung von nicht geringer Bedeutung. Zwei Schüler bzw. Schülerinnen (Michael und Viktoria) wollen gerne Maschinenbau in Deutschland studieren und eine Schülerin Zahnmedizin (Franziska).
Manchmal habe ich noch bis 23 Uhr mit den Schülern geübt und die Prüfung vorbereitet, da die Schüler natürlich auch noch den ganz normalen Unterricht (von 8 Uhr morgens bis 21 Uhr abends, inklusive Selbststudium) hatten und die Sprachdiplom-Prüfung praktisch zusätzlich war. Alle Schüler waren unglaublich ehrgeizig und fleißig; und absolvierten ein fast unvorstellbares Arbeitspensum.
Die Prüfung fand dann schließlich an zwei Tagen statt: Am ersten Tag wurden in einem fast 6stündigen Test Lesen, Hörverständnis und Schreiben abgeprüft. Am zweiten Tag fand die mündliche Prüfung statt. Dabei musste jeder Schüler spontan über ein vorher unbekanntes Thema sprechen, eine Präsentation halten (die er natürlich vorbereitet hatte) und in einem anschließenden Kolloquium zur Präsentation Rede und Antwort stehen. Diese Präsentationen kann man durchaus mit den Präsentationen im deutschen Abitur vergleichen. Alles in allem wirklich nicht so einfach.
Bei den Präsentationen gab es zum Beispiel folgende Themen: Deutschland nach dem Atomausstieg (Franziska), Anhebung des Renteneintrittsalters in Deutschland und China (Viktoria), Wanderarbeiter (Michael) und andere Themen, die immer einen Deutschlandbezug haben mussten.

Die schriftlichen Ergebnisse liegen noch nicht vor, da alle Test-Papiere nach Deutschland geschickt und dort korrigiert werden müssen. Die mündlichen Prüfungen waren aber erfolgreich. Wir alle waren ziemlich erleichtert, als alles vorbei war.

Donnerstag, 10. November 2011

Menschenmassen am frühen Morgen


 Auf meinem Ausflug in die Hauptstadt des Reiches der Mitte wollte ich an diesem Wochenende einmal beim frühmorgendlichen Hissen der Nationalflagge auf dem Tiananmen-Platz dabei sein. Dieses Ritual findet allmorgendlich bei Sonnenaufgang statt: Zuerst ertönt die Nationalhymne und dann wird die Flagge hinaufgezogen.
An besonderen Feiertag – wie etwa dem 1. Oktober – übernachten schon zahlreiche Schaulustige am Abend zuvor auf dem Platz, um das Ereignis dann aus nächster Nähe bewundern zu können.
Dieses Wochenende war aber kein besonderer Tag, und ich dachte, es würde durchaus reichen, wenn ich mich eine Stunde vor Sonnenaufgang auf den besagten Platz begebe. Als ich dort aber gegen 5 Uhr 30 eintraf (Der Sonnenaufgang war für 6.34Uhr angekündigt.), bot sich mir ein „Bild des Schreckens“: Menschenmassen am frühen Morgen.

Von allen Seiten strömten ungezählte Busladungen an Menschen – vornehmlich in Reisegruppen mit roten, weißen und gelben Schirmmützen organisiert – auf den Platz und Richtung Fahne. Straßenhändler verkauften kleine Fähnchen und es herrschte ein reges Treiben wie auf einem Jahrmarkt. Es war ein unvorstellbares Spektakel wie die Massen Richtung Fahne drängten, obwohl ja noch eine Stunde Zeit war bis zum eigentlichen Ereignis. Ich kämpfte mich nach vorne, aber irgendwann ging es nicht mehr weiter, so musste ich noch eine Stunde in der fünften oder sechsten Reihe ausharren, während von hinten die Massen weiter herandrängten, sodass ich am Ende zwischen zwei Reihen Chinesen komplett eingekeilt war. Das beste Foto, dass unter diesen Umständen noch möglich war, wird hier gezeigt.
Das Hissen der Flagge und der Abschließende Abmarsch der Schaulustigen hatte dann etwas von einer „Erlösung“.
Kurze Zeit später musste ich aber mit Erstaunen feststellen, dass ein großer Teil der Massen schon wieder rannte … diesmal Richtung Mao-Mausoleum (am gegenüberliegenden Ende des Platzes). Dort bildeten sich dann auch schon wieder kilometerlange Schlangen, obwohl der Einlass erst um 8 Uhr war. Das war dann doch zu viel und ich habe den Platz fluchtartig verlassen.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Bei Konfuzius zu Hause


Die sogenannte Goldene Woche war mal wieder angesagt: Das ist die Oktoberwoche nach dem chinesischen Nationalfeiertag (1. Oktober) und die Hauptreisezeit für die Chinesen. In diesem Jahr sollen es nach amtlichen Angaben über 300 Millionen Chinesen gewesen sein, die als Touristen im eigenen Land umhergereist sind. Ich kann zwar die exakte Zahl nicht bestätigen, aber es war ein unglaubliches Menschenmeer, das mir auf meiner Reise nach und in Qufu (der Heimatstadt des Philosophen Konfuzius) begegnete.
Die Zugtickets waren vollkommen ausverkauft, sodass ich entgegen meinen eigentlichen Plänen nur zwei Tage in Qufu bleiben konnte, denn für die geplante Rückfahrt am Donnerstag, Freitag oder zur Not auch am Samstag gab es einfach keine Fahrkarten mehr. Einfach nichts zu machen!
Tausende von einheimischen Touristen waren nach Qufu geströmt, um dort einen Blick auf den Konfuzius-Tempel, die gleichnamige Residenz und das Konfuzius-Grab zu werfen. Ich bin auch an diesen Orten gewesen, aber die Menschenmassen machten ein längeres Verweilen kaum möglich. Das Foto zeigt den Ansturm auf das Grab des Philosophen; das war schon am Abend – etwa zehn Minuten vor Sonnenuntergang.

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie groß der Ansturm am Tag gewesen sein muss. Die Chinesen sind dann auch – entgegen den vielleicht gängigen Vorstellungen – wenig zurückhaltend: Sie schieben, drängeln und schubsen! Die einzelnen Reiseführer mit ihren Megaphonen (eingestellt auf die höchste Lautstärke) überbieten sich in ihrem Lärm und Geschrei. Selbst wenn eine Reisegruppe nur aus vier oder fünf Touristen besteht, setzt der Reiseführer ein Megaphon ein, um sich rein lautstärkemäßig gegen die anderen Gruppen durchsetzen zu können. Am Ende ist es ein einziges Geschrei!
Es machte keinen Sinn, länger in Qufu zu bleiben, obwohl es dort sehr schön und interessant war; deshalb bin ich in das etwa zwanzig Kilometer südlich gelegene Zoucheng ausgewichen – die Heimatstadt von Menzius. Dort war es zwar ruhiger, doch als Ausländer sorgte ich dort für mehr Aufsehen: Alte Menschen und Kinder blickten mich an und riefen „Waiguoren! Waiguoren!“ (Ein Ausländer! Ein Ausländer!). Andere haben mich auch angesprochen und nach meiner Herkunft gefragt. In der abgelegenen Provinz ist ein Ausländer immer noch eine „außerordentliche“ und vermutlich auch seltenere Erscheinung und kann einiges Aufsehen erregen. Trotzdem hatte ich in den Morgenstunden den Menziustempel ganz für mich allein, wie das Foto zeigt.

Die Deutscholympiade in Tianjin


Vom 23. bis 25. September war es wieder einmal so weit: Die nationale Deutscholympiade fand statt. Es war diesmal die fünfte und sie wurde in Tianjin (Bezirk Beijing) veranstaltet.
Fast einhundert Schülerinnen und Schüler aus etwa fünfzig Schulen in ganz China kamen an diesem Wochenende in die Hafenstadt Tianjin und zeigten ihr Können in der deutschen Sprache. Auf dem höchsten Niveau, dem sogenannten C1-Niveau, gab es wieder interessante Präsentationen zu brisanten Themen, z. B.: „Die Ein-Kind-Politik“, „Bürgerschaftliche Erziehung“, „Bildungsungerechtigeit in China“ u. a.
Meine Schule – die Pudong Fremdsprachenschule – war mit zwei Schülerinnen (Melanie und Tina) und einem Schüler (Michael) auf allen drei Stufen vertreten. Im Vorfeld hatten wir uns gründlich vorbereitet und zwei Präsentationen erstellt: Auf dem B1-Niveau referierte Tina über Haustiere und die Frage, ob man Hunde lieber essen oder lieber als Haustier halten sollte, und Michael beschäftigte sich mit der Situation der Wanderarbeiter in China.
Am Ende kamen wir in allen Finals unter die besten fünf, aber für einen Platz auf dem Siegertreppchen hat es in diesem Jahr leider nicht gereicht. Die Konkurrenz aus Hong Kong und aus unserer Nachbarschule, der Shanghai Fremdsprachenschule, war übermächtig.
Die Gewinner der Olympiade bekommen eine Reise nach Deutschland, genauer nach Frankfurt, wo sie im Sommer an der Internationalen Olympiade teilnehmen können.

Zurück in Shanghai – Ein neues Schuljahr

Das neue chinesische Schuljahr ist nun drei Wochen alt und bereits in vollem Gange. In den entscheidenden Abschluss-Klassen – nämlich den Klasse 9 und 12 – wurden bereits schon wieder zahlreiche Prüfungen absolviert und sogar ein ganzer Prüfungstag abgehalten, an dem unter anderem mehrstündige Tests in den Fächern Chinesisch, Mathematik und Englisch geschrieben werden mussten.  
Am Ende der Klasse 9 wird in der Mittelstufen-Prüfung („Zhongkao“) entschieden, ob ein Schüler weiter an der Schule bleiben darf, um in die Oberstufe zu gehen oder ob er in eine andere Schule oder auf den Ausbildungsmarkt wechseln muss. Und am Ende der Klasse 12 wird die „Gaokao“ geschrieben, die man mit unserem Abitur vergleichen kann, die aber in einem ungleich höherem Maße darüber entscheidet, ob und an welcher Universität man studieren darf. Diese Schüler stehen jetzt – zu Beginn des Schuljahres – schon unter einem enormen Stress. Wochenenden oder Freizeit haben sie fast nicht mehr.
Ich selbst musste schon wieder ein Programm-Lehrertreffen sowie die Deutscholympiade in Tianjin vorbereiten und mitgestalten, sodass es auch für mich in diesen ersten Wochen schon wieder viel zu tun gab. Das beigefügte Foto zeigt meinen Schreibtisch in der Schule und lässt die typische Gestaltung chinesischer Lehrerzimmer erahnen.

Das wichtigste Ziel in diesem Schuljahr ist aber die DSD II Prüfung im Dezember (Deutsches Sprachdiplom). An dieser Prüfung – in der die Schüler relativ schwierige Lese- und Hörverstehensaufgaben bekommen sowie einen Aufsatz schreiben und eine Präsentation halten müssen – beteiligen sich die Schüler der Klasse 12. Die Ergebnisse entscheiden auch darüber, ob die Schüler in Deutschland studieren können oder nicht. Da dieses Testformat völlig anders ist als das chinesische, müssen die Schüler intensiv darauf vorbereitet werden. Das Foto zeigt einige Schüler in unserer deutschen Bibliothek. Sie absolvieren gerade einen Test zum Hörverstehen. Das Ergebnis wird leider nicht so gut ausfallen: Wir müssen noch üben!